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Projekte im Schwerpunkt Trans/nationalität und Raum

1. Körper- und Leibeswissenschaften


Folgt man Ansätzen aus der Phänomenologie (Husserl, Merleau-Ponty), so können alle vorhandenen Phänomene der materiellen Welt nur durch den Körper wahrgenommen und realisiert werden. Folglich ist der Körper unser Hauptinstrument, um unsere Umwelt zu verstehen und alle ihre Erscheinungsformen zu vergegenwärtigen. Zugleich wird der ›Körper‹ häufig auch als Metapher verwendet, um Hauptdiskurse in der amerikanischen Sozialpraxis und sogar der Politik zu verhandeln und zu visualisieren. In der Tat wurden entscheidende Perioden der amerikanischen Kulturgeschichte, wie die Rekonstruktionszeit und die Progressive Ära, - mit Hilfe von Körpermetaphern versinnbildlicht. Thomas Eakins‘ Darstellungen von chirurgischen Operationen oder muskulösen Sportlern tragen den Geist der damaligen Zeit ebenso in sich wie die spätviktorianischen Karikaturen von Teddy Roosevelt, der seine Vorstellungen vom neuen Imperialismus quasi ›mit der Keule‹ auf die politische Praxis Amerikas überträgt, oder die rituellen Darstellungen des ›muskulösen Christentums‹ seit den 1880er Jahren. Seit dem Aufkommen der Postmoderne ist der Körper zum Inbegriff von Diskussionen über kulturelle Vielfalt, die Fluidität von sozialem Geschlecht und zu die Potentiale geschlechtlicher Grenzübergänge geworden.


Publikationen:

Brandt, Stefan L. The Culture of Corporeality: Aesthetic Experience and the Embodiment of America, 1945-1960. Heidelberg: Winter, 2007.

Brandt, Stefan L. and Astrid M. Fellner, eds. Making National Bodies: Cultural Identity and the Politics of the Body in (Post-)Revolutionary America. Trier: WVT, 2010.

Brandt, Stefan L. »›One of Those Guys in the Movies‹: Juvenile Rebellion and Carnal Subjectivity in J.D. Salinger’s The Catcher in the Rye«. Polish Journal for American Studies 10 (2016): 49-64.

Brandt, Stefan L. »Scale, Media Transfer, and Bodily Space in ›Giant Movies‹ of the Fifties«. Transmediality and Transculturality. Hrsg. Nadja Gernalzick & Gabriele Pisarz-Ramirez. Heidelberg: Carl Winter Verlag, 2013, 349-367.


Research: Univ.Prof. Dr. Stefan Brandt
        

2. Kartographien des Liminalen: Topopoetik und Grenzräume in Nordamerika


»Cartographies of the Liminal« erforscht die Topopoetik von liminalen Räumen in Nordamerika. Welche Funktionen nehmen liminale Räume in der kollektiven amerikanischen Phantasie ein? Inwiefern ist die Vorstellung einer Grenzüberschreitung, die eng mit der Geschichte der Nation verknüpft ist (Stichwort: ›Frontier‹), auch für literarische und kulturelle Repräsentationen von zentraler Bedeutung? Die Vereinigten Staaten von Amerika sind aus einer zutiefst ›interkulturellen‹ Erfahrung hervorgegangen, der Immigration. Kuz nach ihrer ›Entdeckung‹ wurde die ›Neue Welt‹ zum Ziel für eine große Anzahl unterschiedlicher Gruppen, eine Art ›Paradies‹ jenseits des Atlantischen Ozean, aber entwickelt in der ›Alten Welt‹. Bis heute ist die U.S.-amerikanische Gesellschaft gleichermaßen von legaler und von illegaler Einwanderung geprägt, die sich weitgehend in den Metropolen konzentriert. Eine wichtige Anziehungsquelle für Einwanderer und Einwanderinnen waren zweifellos die riesigen Freiflächen der Nation, die laut der puritanischen Rhetorik praktisch danach verlangten, erobert und besiedelt zu werden. Diese Räume wurden jedoch niemals als reine oder völlig homogene, sondern immer auch als hybride Räume dargestellt, die zugleich eine Zwischenerfahrung von ›Zivilisation‹ und ›Wildnis‹ anboten. Dieses Paradoxon ist, wie das Projekt »Cartographies of the Liminal« betont, ein wesentlicher Schlüssel zu einem tieferen Verständnis von Amerika, da die Nation darin als liminaler Körper konstruiert wird. Vom Namen eines männlichen Forschers abgeleitet, steht der Begriff ›Amerika‹ bereits für das Angebot einer Integration über die Grenzen des Geschlechts hinaus. Dieses Bild einer gruppenübergreifenden Inklusion wurde später auch auf die Bereiche ›Race‹ und ›Class‹ im literarischen und kulturellen Imaginären der Nation übertragen und verheißt damit - zumindest symbolisch – die Möglichkeit einer egalitären Gemeinschaft, in der alle Mitglieder gleiche Chancen auf Mobilität und persönliche Entwicklung erhalten. Doch während die dominante Rhetorik Amerika als homogene Einheit (›The Promised Land‹, ›God’s Country‹) präsentiert, ist die US-Kultur als Ganzes in der Tat ein komplexes und hybrides Netzwerk, das aus widersprüchlichen und facettenreichen Diskursen und Bewegungen, sogenannten »dynamischen Verbindungen« (Bruno Latour) besteht, in denen Machtstrukturen, Ideologien und Umweltfaktoren verknüpft sind.

 

Diesem Paradoxon möchte Stefan L. Brandts Monographie-Projekt »Moveable Designs: Liminal Identities and the U.S. Cultural Imaginary« auf den Grund gehen, indem er die Faszination mit dem ›Transkörper‹ bis in die frühen Jahre der amerikanischen Kultur zurückverfolgt, als Phillis Wheatley und andere AutorInnen in Bildern der mythischen Figur ›Columbia‹/›America‹ schwelgten, die zugleich männlich und weiblich, übersinnlich und materiell, zivilisiert und wild erschien. Solche Parameter der Grenzüberschneidung haben zentrale Texte der amerikanischen Bilderwelt beeinflusst, von Walt Whitmans demokratischen Visionen einer kosmischen Einheit bis hin zur modernistischen Konzeptualisierung von ›Race‹ als performativer Kategorie und Identität als einer Art ›astronautischer Subjektivität‹, die  zwischen einer Vielzahl von Identitätsoptionen oszilliert. Die »beweglichen Entwürfe« aus dem Titel des Buchprojekts deuten darauf hin, dass das amerikanische kulturelle Imaginäre in einem Spiel mit Zugehörigkeiten und Identitätsverhandlung verankert ist. Ein weiteres Beispiel ist die Verhandlung von struktureller Ambiguität als Schlüsselmuster der Realitätskonstruktion, was sich in den Fiktionen von Henry James und Thomas Pynchon beobachten lässt. So gesehen, ist das amerikanische Selbst als grundsätzlich ›liminal‹ konzipiert, da es an eine Reihe von oppositionellen Diskursen angrenzt und sich bemüht, diese unter dem Deckmantel der Homogenität (»E Pluribus Unum«) zu vereinen.

 

Ein weiteres Teilprojekt, »Canadian Liminal Spaces« beschäftigt sich mit der Funktion(en) geographischer und symbolischer Grenzregionen in der anglo-kanadischen Literatur (Niagarafälle, Saint Lawrence River, Rocky Mountains, Prairie, British Columbia, Quebec , Nova Scotia, Arktis). Welche Bedeutung haben diese Räume und Abgrenzungslinien für das kanadische kulturelle und literarische Imaginäre? Wie haben Erfahrungen der Liminalität Prozesse der kulturellen und nationalen Identitätsbildung geformt? Was die Trope der ›Grenze‹, jener mythischen Grenze, die sich ständig nach Westen verlagert hat, tief in die US-amerikanische Bildsprache eingegraben ist, prägt das Bild einer ›kontinuierlichen Schwellenhaftigkeit‹ das kanadische Bewusstsein und formt das Verständnis der ökologischen und kulturellen Identität des Landes.

 

Alle Teilprojekte eint der Gedanke, dass kulturelle Identitäten durch Grenzzonen geformt und verhandelt werden können. Das gemeinsame Projekt möchte die materiellen und symbolischen Topographien Nordamerikas skizzieren, wobei sie sich auf die kulturellen Implikationen konzentrieren, die aus Grenzregionen und anderen imaginären Räumen des ›Dazwischen‹ in der amerikanischen und kanadischen kulturellen Praxis stammen. Das Thema der liminalen Erfahrungen wird mit Hilfe von ökokritischen und sozio-anthropologischen Ansätzen mit Blick auf ihre ästhetischen und kulturhistorischen Dimensionen hin untersucht.

 

Publikationen:

Brandt, Stefan L. »TransAmerica? Cultural Hybridity and Transgendered Desire from the Colonial Era to Modernity«. In: Trans/American, Trans/Oceanic, Trans/lation: Issues in International American Studies. Hrsg. João Ferreira Duarte, Marta Pacheco Pinto, & Susana Araújo. Cambridge, UK: Cambridge Scholars Publishing, 2010, 247-261.

Brandt, Stefan L. »›Not a puzzle so arbitrarily solved‹: Queer Aesthetics in Alice Munro's Short Fiction«. Zeitschrift für Kanadastudien. 36 (2016): 28-41.


Research:
Univ.Prof. Dr. Stefan Brandt


3. Urbane Räume in der amerikanischen Literatur und Kultur


Darstellungen amerikanischer Städte sind schier allgegenwärtig in der Populärkultur – in einem Ausmaß, dass wir die Vereinigten Staaten als eine riesige Stadt vor unserem geistigen Auge haben, die sich aus Fragmenten aus Filmen, Fernsehserien, Musikvideos, Computerspielen und Werbebildern zusammensetzt. Dieses Projekt untersucht derartige Repräsentationen von urbanen Räumen in drei größeren Teilprojekten.

Das erste dieser Teilprojekte, „Moving City: Mobility, Openness, and Closure in North American Urban Spaces“, setzt sich mit Bildern urbaner Mobilität auseinander: Menschen gehen durch die Straßen, nehmen Taxis zum Flughafen, fahren mit ihren Rädern zum Arbeitsplatz – Mobilität ist ein zentrales Charakteristikum von urbanen Räumen. Allerdings betrifft „Mobilität“ nicht nur die Dimension der Fortbewegung, sondern dient als zentraler Diskurs in der amerikanischen Kultur. Dieses Projekt versteht die „moving city“ als zentralen Anker dreier miteinander eng verwobener Elemente: (a) physische Bewegung, (b) soziale Mobilität und (c) emotionale sowie affektive Bewegung (im Sinne von: „von der Umgebung bewegt werden“). Dieses Projekt untersucht diese drei Dimensionen und veranschaulicht, wie sich mediale Darstellungen der Stadt auf unsere physische, affektive und geistliche Wahrnehmung der Stadt auswirken.

Das zweite Teilprojekt, „Virtual Urbanities: The Virtual City in the Cultural Imagination“, setzt sich mit den virtuellen Dimensionen amerikanischer Städte auseinander. In der digitalen Welt des frühen 21. Jahrhunderts nehmen virtuelle urbane Räume eine immer wichtigere Rolle ein. Diese virtuellen Städte sind eng mit dem Ideal der „Offenen Stadt“ verbunden und stellen abstrakte, doch gleichzeitig ausgesprochen bedeutende kulturelle Manifestationen der Diskurse um die Offen- bzw. Geschlossenheit der Stadt dar. Durch die Verknüpfung virtueller Städte mit der Offenen Stadt zeigt dieses Projekt auf, dass die „Virtual City“ urbane Praxis nicht einfach reflektiert, sondern sie produziert.

Das dritte Teilprojekt, „The Monstrous City: Urban Spaces in American Horror Cinema“, untersucht die Ängste, die diese neuen urbanen Realitäten in der Bevölkerung hervorrufen und wie das Horrorgenre diese Ängste darstellt bzw. thematisiert. Während die Ordnung der Stadt in der amerikanischen Imagination oft dem Chaos der Wildnis gegenübersteht, zeigt das Horrorgenre das der Stadt inhärente Chaos auf. Somit fördert urbaner Horror die primitiven Instinkte und dunklen Gelüste und Sehnsüchte zu Tage, die sich hinter der urbanen Fassade von Vernunft verstecken.



Publikationen:

Brandt, Stefan L. “The City as Liminal Space: Urban Visuality and Aesthetic Experience in Postmodern U.S. Litera­ture and Cinema.” Amerikastudien – American Studies 54.4 (2009): 553-581.

Brandt, Stefan L. “Open Doors, Closed Spaces: The Transatlantic Imaginary in American City Writing from Post-Revolutionary Literature to Modernism.” Cities and the Circulation of Culture in the Atlantic World: From the Early Modern to Modernism, edited by Leonard Van Morzé & Elizabeth Fay, Palgrave, forthcoming in 2017.

Brandt, Stefan L. “Open City, Closed Space: Metropolitan Aesthetics in American Literature from Brown to DeLillo.” Transcultural Spaces: Challenges of Urbanity, Ecology, and the Environment in the New Millennium, edited by Stefan L. Brandt, Winfried Fluck, and Frank Mehring. Narr, 2010, 121–144.

Fuchs, Michael. “‘Is it beautiful? Or is it ugly?’ The Noir Tradition, Urban Affect, and the Monstrosity of Los Angeles in The Wizard of Gore.” Urban Noir: New York and Los Angeles in Shadow and Light, edited by Cynthia J. Miller & James Ward, Rowman & Littlefield, forthcoming in 2017.

Fuchs, Michael. “Of Roaches, Rats, and Man: Pest Species and Naturecultures in New York Horror Movies.” Space Oddities: Difference and Identity in the American City, edited by Stefan L. Brandt & Michael Fuchs, LIT, forthcoming in 2017.

Fuchs, Michael. “Playing Good Cop ... or Bad Cop? Exploring Hyperreal Urban Spaces in L.A. Noire.” A Dark California: Essays on Dystopian Depictions in Popular Culture, edited by Katarzyna Nowak-McNeice & Agata Zarzycka, McFarland, forthcoming in 2017.

Research: Univ.Prof. Dr. Stefan BrandtMag. Dr. Michael Fuchs


4. Kulturen des Austauschs: Transnationaler Dialog in der frühen amerikanischen Bildungsliteratur (1776-1860)


Dieses Forschungsprojekt untersucht die transkulturellen Kontexte der frühen amerikanischen Bildungsliteratur (Zeitspanne: von der amerikanischen Revolution bis zum Bürgerkrieg). Während die klassische Phase des amerikanischen Bildungsromans (seit den 1860er Jahren) bereits intensiv erforscht wurde, gibt es kaum Untersuchungen zu den Anfängen dieses wichtigen Genres. Erstaunlicherweise hat das Dogma des amerikanischen Exzeptionalismus lange Zeit die amerikawissenschaftliche Forschung geprägt. In Wirklichkeit ist der kulturelle und literarische Diskurs in den USA bereits immer tief in transnationale Praktiken eingebettet ist - in ein ›kulturelles Imaginäres‹, das am klarsten – mit Blick auf Paul Gilroys berühmte Formulierung – als ›mehrfarbiger Atlantik‹ bezeichnet werden kann, als vielfältiges Geflecht aus europäischen und afrikanischen Traditionen, die die Modi und den Inhalt der US-amerikanischen Kultur stark beeinflusst haben.

Das Hauptinteresse dieses Projektes liegt in der Frage, mit welchen Strategien die postrevolutionäre Phase in den USA ihr homogenes ›demokratisches Bildungsideal‹ etablieren konnte. Der Begriff ›Bildung‹ umfasst eine Vielzahl von Konditionen und Parametern, die frühzeitig in der amerikanischen Republik eine Rolle gespielt haben: die Gestaltung des Selbst, persönliche und kulturelle Reifungsprozesse und die Entwicklung einer urbanen Elite.

Inwieweit sind europäische Ideen in diesem neuen kulturellen Bild des amerikanischen Selbst enthalten? In welcher Weise geht Amerikas vielgepriesenes nationales Selbstbild tatsächlich auf transnationale Wurzeln zurück? Das Projekt lokalisiert den Prozess der amerikanischen Selbstkonstitution in einem dynamischen Konfliktfeld, das gleichzeitig von Exzeptionalismus und von transkulturellen Idealen geprägt ist sowie durch das Zusammenspiel einzelner Medien (Literatur, Malerei, Fotografie) und Subgenres (Verführungsroman, Gothic Novel, Schelmenroman, historisches Drama und Reiseromane).

 

Publikationen:

Brandt, Stefan L., Winfried Fluck, and Frank Mehring, eds. Transcultural Spaces: Challenges of Urbanity, Ecology, and the Environment in the New Millennium. Special issue of REAL: Year­book of Research in English and American Literature, Vol. 26. Tübingen: Gunter Narr, 2010.

Brandt, Stefan L., Winfried Fluck, and Ingrid Thaler, eds. Transnational American Studies. Special issue of REAL: Year­book of Research in English and American Literature, Vol. 23. Tübingen: Gunter Narr, 2007.

Research: Univ.Prof. Dr. Stefan Brandt


5. Poet Laureate Traditionen in den USA und Kanada


Dieses Forschungsprojekt untersucht die Kulturpraktiken und Kontexte nordamerikanischer Poet Laureates im 20. und 21. Jahrhundert aus innovativer interdisziplinärer Perspektive. Poet Laureates agieren oft in politischen Kontexten oder an Orten, die für das kulturelle Gedächtnis bestimmter Bevölkerungsgruppen oder ganzer Nationen entscheidend sind. Daher greift es zu kurz, lediglich die Werke einzelner Dichter als ästhetische Konstrukte zu untersuchen, ohne kultur- und gesellschaftspolitische Zusammenhänge einzubeziehen. Vielmehr stellen sich weitergehende Fragen, etwa, welchen Einfluss Poet Laureates auf das Verständnis von Dichtung in der Öffentlichkeit haben oder inwiefern Poet Laureates bei der Vermittlung „amerikanischer Werte“ durch Regierungsinstitutionen instrumentalisiert werden. Das Forschungsprojekt betritt Neuland durch seinen Fokus auf langfristige kulturhistorische Entwicklungen und unterschiedliche Dimensionen der Lyrikproduktion und -rezeption.


Research: Univ.Prof. Dr. Nassim W. Balestrini

6. Playing (with) America: Performing America in Video Games


In seinem Buch „Amérique” argumentiert der französische Poststrukturalist Jean Baudrillard, dass Amerika eine Fiktion ist. Erfunden während sich die ersten Siedler auf ihrer transatlantischen Reise befanden (wenn nicht früher), begründet durch die Unabhängigkeitserklärung, geprüft während dem Kalten Krieg, Zeichen freien Handels, Symbol der Dominanz der Ersten Welt, Bringerin des Friedens, Gefahr für die Souveränität anderer Staaten – Amerika mag nicht unbedingt sein, was man möchte, aber ein Aspekt scheint klar: Gegensätze definieren Amerika, wie auch bereits Walt Whitman vor mehr als 150 Jahren festhielt. Trotz dieser Widersprüche ist Amerika auf einigen vereinenden Prinzipien und Ideen begründet, wie J. Hector St. John de Crèvecœur bereits verstanden hatte bevor die Vereinigten Staaten von Amerika offiziell ins Leben gerufen wurden. Diese Prinzipien und Ideen sind seitdem durch Geschichten (man denke an Filme mit so eindeutigen Titeln wie Independence Day oder The Pursuit of Happiness) und (mediatisierten) Darbietungen (man denke an das Spektakel des Super Bowl oder die zahlreichen Thanksgiving-Specials in diversen amerikanischen Fernsehserien) auf der ganzen Welt verbreitet worden.

Nichts hiervon stellt neue Erkenntnisse dar. In der Tat sind einige der obengenannten Ideen eng mit der Gründungsgeschichte der Amerikanistik verwoben. Dieses Projekt bereichert diese Diskurse allerdings mit einer distinkten Dimension des 21. Jahrhunderts – die Darstellung, Simulation und Performanz Amerikas in Computerspielen. Dieses Projekt wird verdeutlichen, dass Computerspiele den Spieler*innen erlauben, Amerika performativ (virtuell) zu erleben. Manchmal bedeutet dies, vorgegebene Pfade zu verfolgen, die Amerika zelebrieren, während andere Spiele die Spieler*innen zwingen, gegen Amerika vorzugehen, während wiederum andere Spiele es den Spieler*innen überlassen, ihr Amerika zu definieren. Unabhängig der individuellen Definition Amerikas, gleich wie kritisch sie auch sein mag, stellen all diese Darstellungen Wiederholungen von „foundational scenarios of Americanness“ (Hamscha 2013) und helfen somit, bestimmte Bilder Amerikas zu festigen und weiter zu verbreiten.


Research: Mag. Dr. Michael Fuchs

 

Publikationen:

Fuchs, Michael. “BioShock: Infinite and Against the Day as Intermedia Twins: Exploring the American National Project.” Beyond the Sea: Critical Perspectives on BioShock, edited by Jessica Aldred & Felan Parker, McGill-Queen’s University Press, forthcoming.

7. Science Fiction und die amerikanische Identität


Obgleich die Eroberung des Mondes bereits seit den 1820ern die Vorstellung der Amerikaner*innen beflügelte, wurde sie erst in den späten 1960ern Realität. Während dieser Zeit nutzten Science-Fiction und Fantasy die Faszination mit den „new frontiers“ des Weltalls und entwickelten sich zu bedeutenden Mitteln kultureller Selbstdefinition. Seit dem Entstehen des Genres hat sich Science-Fiction der Konzeption alternativer Welten verschrieben, die – wie die Neue Welt im Zeitalter der Entdeckungen – die Massen aufgrund ihres transgressiven Potentials faszinieren und uns dazu ermutigen, Grenzen zu durchbrechen und in neue Sphären vorzustoßen.

Dieses Aufrechen in neue Welten ist eng mit der Idee des „World-Building“ verbunden, welches ein zentrales Thema in der für Ende 2018 geplanten Tagung „Worlding Science Fiction“ darstellen wird. „Worlding“ hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Konzept in den Kulturwissenschaften entwickelt. Basierend auf Heideggers Konzept des „in-der-Welt-Seins“ impliziert „worlding“ einen immerwährenden generativen Prozess: Welten werden fortwährend kreiert ohne jemals vollendet zu sein, da sich das Subjekt ebenfalls ständig neu erfindet. Die Tagung wird sich somit dem Thema des „Worlding“ von zwei miteinander verbundenen Dimensionen annähern: einerseits wird die Gründung, Evolution, Neuerfindung und Zerstörung imaginärer Welten thematisiert werden (Stichwörter: world-building und transmediales Erzählen); andererseits wird die Definition des Subjekts in diesen Welten anhand der Charaktere ergründet werden (Stichwörter: „othering“ und Posthumanism), aber auch die Definition des Subjekts durch diese Welten (Stichwort: Fankultur).

Das laufende Buchprojekt Fantastic Cities: American Urban Spaces in Science Fiction, Fantasy, and Horror setzt sich mit einem zentralen Aspekt vieler fiktiver Welten auseinander – Städten. Fantastic Cities wird aufzeigen, dass fantastische Genres Aspekte und Elemente, die normalerweise in den Domänen des Abstrakten, Metaphorischen und/oder Subjektiven angesiedelt sind, „real“isieren. Mit Beiträgen, die von Gotham über virtuelle Städte und Olympia, Washington, die gesamte Bandbreite fantastischer Städte diskutieren, zeigt dieser Sammelband die Bedeutung der Fantastik für die Stadtforschung auf.

Als drittes größeres Projekt im Kontext der Science-Fiction-Forschung sei Simon Daniel Whybrews Dissertationsprojekt „Envisioning Non-binary Futures: Transgender Subjectivities, Embodiment, and Heteronormative Constraints in Contemporary North American Speculative Fiction“ zu nennen, welches die Repräsentation von transgender-Figuren in der zeitgenössischen nordamerikanischen Fantastik untersucht. Eine der Hauptfragen, die das Projekt stellt, ist ob diese Repräsentationen von transgender-Figuren aufrichtige Versuche darstellen, heteronormative Grenzen zu durchbrechen und somit den konstrukthaften und einschränkenden Charakter der heteronormativen Ideologie offenzulegen oder ob Heteronormativität durch Repräsentationen nicht binär gegenderter Körper und Darstellungen doch weiter perpetuiert wird.

 

Publikationen:

Brandt, Stefan L. »Astronautic Subjects: Postmodern Identity and the Embodiment of Space in American Science Fic­tion«. In: Gender Forum 16 (Issue »Gender Roomours II: Gender and Space«) (Winter 2006/07) <http://www.genderforum.org/fileadmin/ archiv/genderforum/space2/article_brandt.html>.

Fuchs, Michael. “Of Roaches, Rats, and Man: Pest Species and Naturecultures in New York Horror Movies.” Space Oddities: Difference and Identity in the American City, edited by Stefan L. Brandt & Michael Fuchs. LIT, forthcoming in 2017.

Rabitsch, Stefan. Star Trek’s Secret British History: Setting Sail in Space with Horatio Hornblower. Jefferson, NC: McFarland, forthcoming in 2017).

Rabitsch, Stefan. “‘And yet, everything we do is usually based on the English’: Sailing the mare incognitum of Star Trek’s Transatlantic Double Consciousness with Horatio Hornblower.” Science Fiction Film and Television 9.3 (2016): 439–472.

Rabitsch, Stefan, Brown John, Martin Gabriel, and Wilfried Elmenreich, eds. Set Phasers to “Teach”! Star Trek at University. Leiden: Springer, forthcoming in 2017.

 

Research: Univ.Prof. Dr. Stefan BrandtMag. Dr. Michael Fuchs; Mag. Dr. Stefan Rabitsch; Univ.-Ass. Simon Whybrew, BA MA



8. Ambivalenzen in der amerikanischen Literatur von Equiano bis 9/11


Ambivalente Ausdrucksformen amerikanischer Identität sind zentral für ein Verständnis dessen, was als transnational-amerikanisches gilt. Wie diese Ambivalenzen im amerikanischen Roman vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zur Zeit des 11. September 2001 konstruiert sind, ist Forschungsgegenstand dieses Projektes. Ziel ist es hierbei, ästhetische und politische Aspekte zu reflektieren und diese an Phänomenen ästhetischer Erfahrung, die durch diese Romane ausgelöst wird, zu diskutieren.

 

Research: Ass.Prof. Mag. Dr. Silvia Schultermandl
 

9. Literatur und Krieg


Das Projekt unternimmt eine systematische Analyse der literarischen Diskurse in der U.S. Kriegsliteratur vom 2. Weltkrieg bis zum Irakkrieg, wobei die dominanten Strukturen in den Kontext des amerikanischen „Schreibens vom Krieg“ seit der Kolonialzeit und der Indianerkriege des frühen 17. Jahrhunderts eingebettet werden. Schwerpunkte liegen auf der literarischen (Romane, Kurzgeschichten, Gedichte) und filmischen (Dokumentationen, Spielfilme) Gestaltung der Kriegserlebnisse in den USA, geschlechterspezifischen Eigenarten gilt besonderes Interesse. Zu den diskutierten AutorInnen zählen u. a. John Briley, Willa Cather, John Del Vecchio, William D. Ehrhart, Susan Fromberg-Schaefer, John Hawkes, Joseph Heller, Ernest Hemingway, John Hersey, Norman Mailer, Bobbie Anne Mason, Robin Moore, Tim O‘Brien, Irwin Shaw, und Kurt Vonnegut.  Ebenso untersucht werden Filme wie z. B. American Sniper, Born on the 4th of July, Flags of Our Fathers, Letters from Iwo Jima, Lioness, Miracle at Santa Anna, Poster Girl, First Blood. Part I, The Hurt Locker, and Where Soldiers Come From.

 

Publications:

Brandt, Stefan L. “A Farewell to the Senses? Hemingway, Remarque, and the Aesthetics of World War I.” North America, Europe and the Cultural Memory of the First World War. Ed. Martin Löschnigg. Heidelberg: Winter Verlag, 2015. 215-225.

Hölbling, Walter. “Vorstellungen von Krieg und Frieden in der US-amerikanischen Romanliteratur.”   LiTheS (Sonderheft “Krieg, Mythos und Literatur“) 10 (2014): 80-99.

Hölbling, Walter. Fiktionen vom Krieg im neueren amerikanischen Roman. Tübingen: Narr, 1987.

 

Research: Ao.Univ.-Prof.i.R. Mag. Dr.phil. tit.Univ.-Prof. Walter Hölbling; Univ.Prof. Dr. Stefan Brandt

 

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